Auch bei mir kommt oft die Begeisterung durch, die in der Selfpublisher Autoren Community kursiert - jeder kann vom Schreiben leben. Dabei richtet sich der Blick vor allem auf die Autorinnen und Autoren, die bereits den Weg geschafft haben. Was wir jedoch nie erfahren oder zu Gesicht bekommen sind all die Autorinnen und Autoren, die den Weg noch vor sich haben oder gescheitert sind. Ganz zu schweigen von den zahlreichen Rückschlägen, die du zu verkraften hast und weiter auf dich einprasseln, auch wenn du dein Ziel erreicht hast.

Warum ist es wichtig realistisch zu sein?

Wenn es um das Schreiben geht, sehen wir nur die Autorinnen und Autoren, die an der Spitze stehen. Wir sehen die Gewinnerliste der Literaturpreise, sehen die Bestsellerlisten in Zeitungen oder auf Online-Plattformen und lesen Berichte von all den Autoren und Autorinnen, die von einem Nebenjob zum Berufsautor mutiert sind. Am liebsten werden dafür junge Autorinnen genommen, weil sich mit ihnen das Cinderealla Märchen am schönsten darstellen lässt. Gibt es eine Liste mit den Top-100 Flops? Nein. Lesen wir Artikel über die Misserfolge, die vielen Zurückweisungen, das Scheitern oder gar Aufgeben von Autorinnen oder Autoren? Nein. Dieser träumerische Blick auf die Realität führt zu vielen Selbstzweifeln. Deshalb ist es so wichtig, dass du auf dem Boden der Tatsachen bleibst und jeden kleinen Erfolg für dich feierst. Du hast ein Buch verkauft? Super. Du hast im Monat 50,- Euro eingenommen? Genial, dass ist mehr als nichts. Du bekommst eine 5-Sterne Rezension? Klopf dir auf die Schulter.

Im Sport findet Sieg und Scheitern öffentlich statt.

Wenn du dir einen sportlichen Wettbewerb anschaust, gibt es immer einen Sieger und einen Verlieren. Das ist schlicht und ergreifend normal. Jeder Sportler weiß das. Wenn jemand sich ärgert, weil er verloren hat, ist das okay. Das hindert ihn oder sie jedoch nicht daran, es beim nächsten Mal wieder zu versuchen. Wer einen guten Trainer hat analysiert seine Schwächen, sieht seine Stärken und trainiert, damit er oder sie besser wird. Warum sehen wir das bei Büchern anders? Warum sind wir empfindlich, wenn eine Leserinn von unserer Geschichte enttäuscht ist? Weil wir eben nur die Erfolge sehen und nicht das Scheitern. Niemand erzählt das sein Buch ein Flopp ist.

Aus dem Schatten mein Flopp

Mein Roman: Aus dem Schatten war die Geschichte meines Herzens. Ich verspürte ein tiefes inneres Bedürfniss sie zu schreiben. Sie markierte für mich den Endpunkt meiner Arbeit als IT-Beraterin und der Beginn meiner beruflichen Karriere als Autorin. Die Liebes- und Familiengeschichte ist eingebettet in die Einführung von Microsoft Office 365 in ein mittelständisches Familienunternehmen. Endlich für mich mal die Gelegenheit mir in meiner Fantasie das ideale Unternehmen, den idealen Veränderungsprozess aufzuzeigen. Zu Technisch, Liebesgeschichte kommt zu kurz, am Ende löst sich alles viel zu schnell auf. Das waren die Kommentare. Eine 5-Sterne Rezension, gefolgt von zwei 3-Sterne Rezensionen, bedeuteten das aus für die Geschichte. 3.350 Euro hat mich die Veröffentlichung gekostet, 727 Euro Umsatz kamen bisher bei der Geschichte zusammen (März 2016-Februar 2017). Ich liege also aktuell bei einem Verlust von 2.623 Euro.

Wieviele Autorinnen leben in Deutschland von ihren Büchern?

Hier gibt es keine konkrete Zahlen, obwohl ich das wirklich mal genial fände. Matthias Mattig bringt mit seinem Blog: Selfpublisherbibel, mit Hilfe von Umfragen und Analyse das meiste Licht in die Dunkelheit. Wer redet in Deutschland schon gerne über seinen Verdienst? Da könnte es ja viel zu viele Neider geben. Ich rede über Zahlen, weil ich es wichtig finde, damit wir endlich realistisch mit dem Traumjob Autorin umgehen und vielleicht können wir auch auf diese Weise, das ein oder andere in Zukunft an dem Verdienst ändern.

In seinem Blogpost: Analyse - Schrumpft der Markt? schreibt Matthias, dass laut den Daten der Künstlersozialkasse, die deutschen Autoren im Monat im Schnitt weniger als 1.200 Euro, verdienen. In seinem Blogpost: Lohnt sich Selfpublishing schätzt er das etwa 500 Autorinnen und Autoren mehr oder weniger vom Selfpublishing leben können. Bezogen auf seine Schätzung, dass es 30.000 selbstpublizierende Autorinnen und Autoren in Deutschland gibt, wären das etwa 1,67 %.

Ausschlaggeben ist dabei natürlich die individuelle Lebenssituation. Der eine kommt mit einem Jahrenseinkommen von 20.000,- Euro aus, der andere muss noch bei 50.000,- Euro Jahreseinkommen jonglieren oder etwas dazuverdienen. Deshalb müssen wir die Zahlen mit Vorsicht genießen. Interessant vielleicht noch die Auswertung aus seiner letzten Umfrage unter den selbstpublizierenden Autorinnen und Autoren (Achtung - dort sind die Top 150 deutschen selbstpublizierenden Autoren natürlich stark vertreten, weshalb die prozentuale Statistik mit Vorsicht zu betrachten ist). Trotz der Einschränkung des Umfragepools, wird deutlich, dass die Masse zu wenig verdient, als dass sie nur vom Schreiben leben könnten.

Auf dem amerikanischen Markt sieht genauso aus. In seinem Buch: The Bulletproof Writer nimmt Michael Alvear an, dass es weniger als 1% der Autorinnen und Autoren sind, die ein Jahreseinkommen von 50.000 Dollar verdienen. Das sind Schätzungen und die Frage ist, ob wir vom tatsächlichen Einkommen sprechen (also Umsatz aus Büchern abzüglich aller Kosten) oder eben Umsatz. Auch beim Jahreseinkommen gehen davon noch die Steuern und Sozialabgaben weg.

Ein Grund alles hinzuwerfen?

Nein. Arbeite stattdessen mit Geduld an deinem Ziel. Lass dich von Misserfolgen, einer schlechten Rezension oder schlechten Verkäufen, keinesfalls entmutigen. Jeder von uns muss da durch und - ganz wichtig - das wird nie aufhören, egal wie erfolgreicht du bist. Schreibe nebenberuflich bis du im Schnitt ein Einkommen erzielst, von dem du ohne Probleme leben kannst. Spar dir einen Puffer an, mit dem du drei, vier Monate am besten sogar ein Jahr deinen Lebensunterhalt bestreiten kannst. Stelle fest, wie viele Bücher du im Jahr realistisch veröffentlichen kannst. Führe eine Statistik über den Entstehungsprozess deiner Bücher. Gehe immer von einem Buch weniger aus, als du denkst. Berücksichtige, dass der Markt sich jedes Jahr ändert. Baue dir eine solide Fangemeinde auf. Bleibe bei deinem Puffer, füll ihn immer wieder auf und erhöhe ihn am Besten noch, vor allem, wenn du nicht mal eben schnell wieder in deinen alten Job zurückkehren kannst.

Dir hat der Blogpost gefallen? Dann teile ihn doch mit deinen Freundinnen und Freunden.​

Hier die Bücher:

Kerstin Rachfahl
 

Schreiben ist meine Leidenschaft. Dass ich einmal meinen Lebensunterhalt mit meinen Geschichten verdienen würde, hätte ich mir nie erträumt. Auf diesem Blog möchte ich dir zeigen, wie mir das gelungen ist. Was ich kann - kannst du auch. Worauf wartest du noch? Hier findest du mehr zu meinen Büchern: Kerstin Rachfahl

Click Here to Leave a Comment Below 0 comments

Leave a Reply: