Wie baust du Widerstandskraft auf?

In dem Moment, wo du dein erstes Buch veröffentlichst, brauchst du echte Widerstandskraft. Zurückweisung ist ein Teil deines Lebens als Autorin. Unabhängig davon, ob du über einen Verlag veröffentlichst oder selbstpublizierst. Die Art und Weise der Zurückweisung ist nur eine andere. Bei einem Verlag ist es der Ablehnungsbrief oder überhaupt keine Antwort. Beim Selbstpublizieren sind es die 1-2 Sterne Rezensionen oder der geringe Verdienst, den du erzielst.

Viele "Jungautoren" glauben, dass Autorinnen wie z.B. Charlotte Link, Kerstin Gier, Cornelia Funke, Catherine Shepard, Emily Bold, Marah Woolf oder Poppy J. Anderson, um nur ein paar Beispiele erfolgreicher Autoren zu nennen, kein Problem mehr mit Zurückweisung haben. Weit gefehlt. Womöglich ist es für sie sogar noch schwieriger. Einmal an der Spitze und erfolgsverwöhnt ist der Druck größer, ja du brauchst womöglich sogar mehr Widerstandskraft, weil die Erwartung an dich höher sind. Nimm die am Spitzensport ein Beispiel. Erst bist du der Medienliebling und dann die Medienschlampe. Und letztlich hat weder das eine, noch das andere etwas mit dir persönlich zu tun.

Ohne Widerstandskraft gibst du auf.​

Also egal an welcher Stelle deiner Karriere als Autorin du gerade stehst, du musst Widerstandskraft entwickeln oder die Zurückweisung zerstört dich. Du wirst dich fragen, wieso tue ich mir das an? Leckst deine Wunden und ziehst dich zurück in dein stilles Kämmerlein. Und damit ist die Welt um eine tolle Autorin ärmer.

Der Unterschied zwischen einer erfolgreichen und einer erfolglosen Autorin liegt in der Fähigkeit, eine Strategie zu entwickeln, um mit der Zurückweisung umzugehen. Je mehr Bücher du schreibst, desto mehr negative Meinungen wirst du erhalten. Es bedeutet auch keinswegs, dass jedes deiner neuen Bücher, deiner Fangemeinde gefällt. Womöglich sind sie sogar von einem Buch enttäuscht. Das ist mir erst letztes Jahr passiert und das mit meiner Geschichte, die mir besonders am Herzen lag.

Statt in Selbstmitleid zu zerfließen oder über den Verriß zu lamentieren und zu sagen, die Leserinnen haben ja keine Ahnung, stand ich wieder auf, setzte mich an die nächste Geschichte und schrieb weiter. Klar dauerte es einen Moment bis ich das verkraftet hatte. Doch im Nachhinein ging es erstaunlich schnell. Viel schneller als bei der ersten 1-Sterne Rezension, die ich kassierte. Das hängt mit meiner Motivation zusammen, warum ich überhaupt schreibe.

Warum macht das ein Unterschied?

Stell dir mal zwei Vertriebsleute vor, die beide eine Kindersitz verkaufen sollen. Der eine verkauft den Sitz, weil er dort die höchsten Provisionen kassieren kann und es dort die besten Bonusprogramme gibt. Der andere hat selber ein kleines Kind und hat sich lange damit beschäftigt, welches der beste Kindersitz ist. Seine Motiviation ist es, dass Eltern diesen Sitz kaufen, weil er einfach der sicherste für ihre Kinder ist. Wer verkauft auf Dauer mehr Kindersitze? Wer wird mit einem "Nein" - besser fertig?

Meine Motivation zum Schreiben von Büchern ist, dass ich möchte, dass meine Leserinnen eine positive Einstellung zum Leben entwickeln. Das sie ihr Leben selbst in die Hand nehmen und nicht auf den Prinzen warten, der sie rettet. Oft können wir nicht beeinflußen, was um uns geschieht. Was wir jedoch in der Hand haben ist unsere Einstellung dazu. Ein super Beispiel für​ so ein Buch ist das von Anne Freytag: Mein bester letztes Sommer. Die Protagonistin erfährt mit siebzehn Jahren, dass sie stirbt. Erst setzt sie sich hin und wartet nur noch auf den Tod. Dann beginnt sie die Zeit, die ihr bleibt mit dem Leben zu verbringen. In einem Gespräch mit ihrer Mutter, wird es noch deutlicher. Ich kann noch vor dir sterben. Der Unterschied ist nur, dass ich es nicht weiß.

Eine weitere Motivation zum Schreiben ist, dass ich gar nicht anders kann. Mein Kopf würde vor lauter Geschichten überquellen, wenn ich versuchen würde mit dem Schreiben aufzuhören. Seit ich weiß, dass ich eine Geschichte von vorne bis hinten durchschreiben kann, gibt es keine Ausreden mehr. Kaum ist die eine fertig, steht die nächste Protagonistin in den Startlöchern.

Ein weiterer Punkt für eine bessere Widerstandskraft ist dein Gedankenkarusell. Wie achtsam gehst du mit dir um? Liebst du dich oder lehnst du dich ab? Du kennst das bestimmt, je öfter du in deinem Kopf ein schlechtes Erlebnis widerkäust, desto mehr bleibt es hängen, umso stärker werden die negativen Gefühle, die es in die weckt oder aufrechterhält. Das alles hat nicht das geringste mit der Realität zu tun. Akzeptiere deinen Frust, das du verletzt und enttäuscht bist. Von mir aus, heule auch eine Runde. Doch dann lass es los. Wir behalten oft nur das Negative im Kopf. Deshalb schreibe ich mir wenigstens jede Woche einmal auf, was mir tolles passiert ist, was ich besonders gut gemacht habe oder worauf ich echt stolz bin. Es gibt immer etwas, glaube mir.

Die größte Kritikerin von mit bin ich.

Ich achte mehr auf die negative Kritik, als auf die positive. Um die Wahrheit zu sagen sind mir positive Äußerungen sogar peinlich.  Wusstest du, dass das normal ist? Es ist nämlich ein Urinstinkt, der uns wachsam sein lässt. Wer den knackenden Zweig im Gebüsch mit der Einstellung, och da lauert keine Gefahr, begegnet, wurde vom Tiger gefressen.

Der innere Kritiker ist also wichtig, damit du weitergehst, dich weiterentwickelst, Gefahren umschiffst und besser wirst. Nur darf er nie die Kontrolle übernehmen. Vor allem, wenn du dazu neigst, dich selbst fertig zumachen. Ich bin früher Meisterin darin gewesen und auch jetzt klappt das immer noch prima. Wer jetzt denkt du musst halt den inneren Kritiker zum Schweigen bringen und nur positives denken, vergiss es, du bist wer du bist. Stattdessen bedanke ich mich bei meinem inneren Kritiker für seine tolle Arbeit. "Danke, dass du dermaßen konsequent darauf achtest, dass ich das Beste aus mir heraushole. Schau mal, was wir beide geschafft haben. Und das nächste Mal, machen wir es noch besser."

Wie hast du das Laufen gelernt?

Indem du eines Tages aufgestanden und losgelaufen bist? Oder hast es versucht, bist hingefallen und hast es wieder versucht. Bist hat das Hinfallen auch oft weg getan. Du hattes Beulen, Macken oder aufgeschürfte Knie. Bist du liegen geblieben oder hast du deinen Mut zusammengenommen und bist wieder aufgestanden? Genau darauf baust du auf, wenn du deine Widerstandskraft für die Zurückweisung deiner kreativen Arbeit stärkst. Steh wieder auf, krempel die Arme hoch und schreib deine nächste Geschichte.

Mich interessiert, wie du deine Widerstandskraft aufbaust. Wie wirst du mit Zurückweisung fertig?

Kerstin Rachfahl
 

Schreiben ist meine Leidenschaft. Dass ich einmal meinen Lebensunterhalt mit meinen Geschichten verdienen würde, hätte ich mir nie erträumt. Auf diesem Blog möchte ich dir zeigen, wie mir das gelungen ist. Was ich kann - kannst du auch. Worauf wartest du noch? Hier findest du mehr zu meinen Büchern: Kerstin Rachfahl

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